02 June 2008

Mai 2008

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Lapide sulla tomba di un naufrago afgano a LesvosSAMOS – Jedes Mal, wenn ich ins Wasser gehe, schnürt sich mir der Magen vor Beklemmung zusammen. Und ich glaube, das ist ganz und gar nicht normal. Ich gehe vorsichtig weiter, in einer kleinen Bucht auf Samos. Ich bin barfuss. Und ich habe Angst, unter Wasser eine Leiche zu berühren. Ich denke an die Fotos von zwei aus dem Meer gefischten Kindern, die sie mir vor einer Woche auf Lesbos, in Griechenland, gezeigt haben. Ich denke an die Erzählungen der Fischer und an die Chronik des letzten Monats, die von mindestens 112 Toten auf dem Weg nach Europa berichtet, 102 davon allein in der Straße von Sizilien. Der Körper einer Frau, der auf dem Strand Maluk, auf Lampedusa, gefunden wurde. Eine weitere Leiche in Pozzallo, in der Provinz Syrakus. Eine in Castel Vetrano, Trapani. 37 Tote in Malta und 50 in Teboulba, Tunesien. Leichen, die auf dem großen Massengrab treiben, zu dem das Mittelmeer geworden ist – mindestens 12.180 Tote in den letzten 20 Jahren –, und man weiß nichts über ihre gekenterten Boote. Nichts darüber, wie viele weitere Passagiere an Bord waren und wie viele im Meer verschollen sind. Wie die 21 Personen bei Samos, am vergangenen 16. Mai, von denen nur ein handschriftlicher, von dem einzigen Überlebenden geschriebener Brief übrig geblieben ist.

„Wir waren 22 Personen in einem Schlauchboot … Wir sind von der griechischen Küstenwache angehalten worden. Sie haben unser Schlauchboot an ihrem Motorboot festgemacht und uns in Richtung der türkischen Küste gezogen. Dann haben sie uns den Treibstoff abgenommen und uns mitten im Meer zurückgelassen. Das Wetter wurde schlechter und die Wellen schlugen immer höher. Das Boot fing an zu schaukeln. Es war der 16. Mai um zwei Uhr morgens. Die Personen auf dem Boot fielen eine nach der anderen ins Wasser … das Schlauchboot kippte um. Ich habe meinen besten Freund verloren. Ich begann, zu schwimmen und gegen die Wellen anzukämpfen. Schließlich hat mich ein Fischer aus dem Wasser gezogen und ins Krankenhaus gebracht, von dort aus haben sie mich ins Lager gebracht.“

Un gommone sgonfiato su una spiaggia, foto tratta dal rapporto Pro AsylKein einziger Körper ist in den letzten Tagen auf Samos aus dem Wasser gefischt worden. Und Yassin, der den Brief geschrieben hat, ist inzwischen nach Athen aufgebrochen und niemand weiß, wie man ihn erreichen kann. Niemand kann also sagen, ob die Schiffbrüchigen von den türkischen Behörden gerettet wurden oder ob sie alle ertrunken sind. Sicher ist, dass die Geschichte mehr als wahrscheinlich ist. Tawfiq ist davon überzeugt. Tawfiq ist ein junger Algerier, der auf der griechischen Insel lebt. Er hat mir den Brief aus dem Arabischen übersetzt. Trotz seiner jungen 23 Jahre kann er sich mit gutem Recht als Veteran der Harragas bezeichnen, denn er hat die Grenze zwischen der Türkei und Griechenland schon siebenmal überwunden. Das letzte Mal allein. Mit einem Kanu, ausgerüstet mit Rudern und Mut, über eine Strecke von ein paar Meilen. Seinem Bruder Sufien ist es genauso gegangen. Ich treffe ihn tagsüber auf einem Strand der Insel. Bei einem eisgekühlten Bier erzählt er mir von der Nacht des 2. Mai des letzten Jahres. Kein Schleuser. Sie hatten alles allein gemacht. Sie kannten die Strecke schon. Er, ein weiterer Bruder, zwei Cousins und ein Freund. Alle Algerier. Sie hatten die Ruder und ein etwa zwei Meter langes Schlauchboot gekauft. Nachdem sie von einem Strand in der Nähe von Kusadasi aufgebrochen waren, wurden sie auf halber Strecke vom griechischen Militär gestoppt. Sufien gibt nicht auf. Es war eins von den grauen Motorbooten. Die Soldaten näherten sich dem Schlauchboot und zerschnitten mit einem Messer die Luftkammern. Dann sahen sie zu, wie die fünf im Wasser landeten. Glücklicherweise konnten alle schwimmen und erreichten so, nach fünf Stunden, am Ende ihrer Kräfte, die türkische Küste. Aber was wäre passiert, wenn einer von ihnen nicht hätte schwimmen können? Oder wenn es bei winterlichen Temperaturen geschehen wäre? Das Versenken der Schlauchboote der Migranten ist eine gebräuchliche Praxis der griechischen Küstenwache und Marine, die im Bericht von Pro Asyl für 2007 ausführlich belegt wird. Ebenso die unterlassene Hilfeleistung. Bilal und die anderen 23 Insassen des am 12. März 2008 losgefahrenen Schlauchboots haben vergeblich neun Stunden lang auf den griechischen Rettungsdienst gewartet. Die Nummern der griechischen Küstenwache hatte ihnen der türkische Schleuser in Izmir gegeben, und gegen vier Uhr morgens, als der Motor ausgefallen war, haben sie angerufen. Ein Motorboot hatte sich in der Tat genähert, aber nur, um Fotos zu machen. Dann war es wieder weggefahren. Als das Meer stürmisch wurde, entschlossen sie sich gegen 13.30 Uhr, die türkische Küstenwache zu verständigen, um ihr Leben zu retten.

ritratto di Yasser Arafat su una parete del vecchio campo di detenzione di SamosDie Zahl der Migranten und Flüchtlingen, die über die Ägäis ankommen, ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Auf Lesbos zum Beispiel sind in den ersten fünf Monaten des Jahres 2008 schon 4.320 Personen angekommen, gegenüber 6.370 im gesamten Jahr 2007. Es sind hauptsächlich Afghanen (3.285 in den ersten 10 Monaten des Jahres 2007), und außerdem Iraker, Kurden, Palästinenser, Somalier, Sudanesen, Mauretanier, Senegalesen, Ivorer, Nigerianer, Algerier und Marokkaner. Es sind gemischte Ströme aus Wirtschaftsmigranten und Flüchtlingen. Um der Ausweisung zu entgehen gibt sich ein Teil der Afrikaner als Somalier aus, und ein Teil der Araber als Palästinenser oder Iraker. Aber die Flüchtlinge gibt es wirklich. Man muss nur das alte Haftlager in Samos besichtigen, um es zu begreifen. Es ist ein altes, zweistöckiges Gebäude, mitten in der Stadt. Es ist Ende November 2007 geschlossen worden. In einigen Räumen ist alles noch wie damals. Auf den dreistöckigen Betten liegen noch die Decken. Der Fußboden ist voller Schaumstoffmatratzen. Die Graffiti auf den Wänden erzählen die Geschichte des Lagers und die Geschichten der Flüchtlinge, die dort aufgenommen wurden. Es gibt Porträts von Yasser Arafat und die Fahne Palästinas, Sätze auf Amharisch und Liebeserklärungen an Somalia und den Sudan, sowie Freiheitsforderungen für Kurdistan.

Disegno fatto da un bambino detenuto nel vecchio campo di SamosAm Sonntag, den ersten Juni, werden 35 Häftlinge aus dem neuen Haftlager in Samos entlassen. Zusammen mit Anna, einer Kämpferin der Insel, ergreife ich die Gelegenheit und gehe an Bord der Nissos Mikonos, des Linienschiffs, das sie nach Athen bringen wird. Sie sitzen auf dem Deck. Die Polizei hat ihre Fahrkarten bezahlt. Sie sind nach drei Monaten Haft entlassen worden. Niemand sitzt auf den griechischen Inseln noch die drei Monate Haft ab, wie es bis zum letzten Jahr der Fall war. Niemand, es sei denn, er beantragt Asyl. Und das tut niemand. 2007 wurden 96% der Asylanträge in Athen gestellt. Alle werden dann mit einem Ausweisungspapier entlassen, das nur auf Griechisch geschrieben ist. Darin steht, dass sie Griechenland innerhalb eines Monats verlassen müssen. Und dass es ihnen verboten ist, nach Achaia zu fahren, in der Gegend von Patras, von wo es einen Weg aus Griechenland gibt. Keiner der Migranten an Bord weiß, was er tun soll und wohin er nach der Ankunft in Athen gehen soll. Sie sind sich selbst überlassen. Unter ihnen ist auch ein Minderjähriger, 16 Jahre, aus Guinea. Die anderen sind fast alle Senegalesen und Nigerianer, aber sie haben sich als Somalier ausgegeben. Letzte Woche, auf einem Schiff in Mitilini, dem Hafen auf Lesbos, die gleiche Szene. An Bord waren etwa zwanzig Afghanen, davon vier unbegleitete Minderjährige und zwei Frauen mit ihren kleinen Töchtern. Ihre einzige Möglichkeit nach der Ankunft in Piräus, im Hafen von Athen, ist die Metro nach Omonia, dem Ghetto unterhalb der Akropolis.

Una strada del quartiere di OmoniaIn der Xouthou-Straße in Athen, hinter dem anonymen Schaufenster einer Bar, hat der Verein sudanesischer Flüchtlinge seinen Sitz. Der Vorsitzende, Adams Salih, empfängt mich mit einem Chai. Er ist aus Dafur geflüchtet und 2004 auf einem Containerschiff aus Port Sudan, am Roten Meer, in Kreta angekommen. Nach seinen Schätzungen leben in Omonia mindestens 450 Sudanesen und ebenso viel Somalier. Alles potentielle politische Flüchtlinge. Doch de facto haben sie alle nur ein Ausweisungspapier in der Hand. Einen von ihnen, Abdallah, Jahrgang 1972 – ein vornehmer Herr mit weißem Hemd, Brille und goldfarbener Armbanduhr – treffe ich wenig später im Hotel Maqi, einem alten, von Sudanesen besetzten Hotel in der Straße Satovriandou, wo die Neuankömmlinge für drei Euro pro Nacht in Zimmern mit jeweils zehn Personen übernachten. Er ist am vergangenen 20. April auf Samos an Land gegangen. Seit zehn Tagen ist er offiziell ein Illegaler. Keiner hindert ihn daran, in Griechenland Asyl zu beantragen. Aber die Wartezeit beträgt durchschnittlich drei bis vier Jahre. In der Zwischenzeit darf man arbeiten, aber nach Abschluss des Verfahrens ist die Antwort fast immer negativ. 2007 ist bei 25.000 gestellten Asylanträgen nur 150 Personen Asyl oder humanitärer Schutz gewährt worden. Also wollen alle weg. Auch weil sie vielleicht Verwandte in anderen europäischen Ländern haben. Um aus Griechenland auszureisen benötigt man nur einen falschen Pass oder muss sich in einem der Lastwagen verstecken, die sich jeden Tag in Patras nach Italien einschiffen. Doch das Schicksal dieser Menschen hängt am seidenen Faden ihrer Fingerabdrücke.

Nach dem Dubliner Übereinkommen muss ein Asylbewerber im ersten europäischen Land, in das er kommt, seinen Asylantrag stellen. Und es spielt keine Rolle, ob der Anteil positiver Asylverfahren in Griechenland um fünfzig Prozent niedriger ist als in Italien oder Schweden. Wenn ihre Fingerabdrücke in Griechenland genommen wurden, müssen sie in Griechenland bleiben. Ali, Sudanese, war vor einem Jahr in Norwegen angekommen, aber sie haben ihn wieder zurück nach Athen geschickt. Ebenso Siad, aus Irland. Darin liegt die Irrationalität der griechischen Einwanderungspolitik. Griechenland will nicht, dass sie bleiben, und gewährt deshalb niemandem Asyl und begeht auf See schwerwiegende Rückschiebungsmaßnahmen in Richtung Türkei. Aber sie können Griechenland nicht verlassen. Gleichzeitig sind die Asylanträge in den anderen europäischen Ländern in den letzten zehn Jahren um die Hälfte zurückgegangen. Und so wächst die Zahl der Personen ohne Papiere und ohne Rechte, die auf den Baustellen in Athen ebenso ausgebeutet werden wie bei der Erdbeerernte in Olympia oder der Orangenernte in Atra. Griechenland ist weit von der Vorstellung entfernt, die sie sich von Europa gemacht hatten. Und dann geht die Reise weiter. Von Patras. In eine harte und widrige Richtung. Nach Italien.

I camion parcheggiati al porto di PatrassoMohamed zeigt mir eine seiner Zeichnungen. Darauf ist ein Polizist, der ein Messer durch die Luft schwingt, und ein kleiner Junge mit blutendem Kopf auf einem grauen Parkplatz gegenüber vom Hafen. Jaber wollte mir die Zeichnung unbedingt zeigen, die einer der sechs Jungen, die mit ihm in der Baracke leben, gemacht hat. Sie beweist die Geschichte, die er mir einen Tag vorher erzählt hatte, als wir uns in der Baracke von Jemmah kennen gelernt haben. Jaber, 16 Jahre alt, war selbst dabei, sie flüchteten vom Parkplatz der Lastwagen, verfolgt von der Polizei. Dies geschieht in Patras jede Nacht. Gruppen von zehn bis fünfzehn Jugendlichen klettern beim Gate 7 über den zwei Meter hohen Zaun und rennen zum zweiten Stacheldrahtzaun, der den Parkplatz der Lastwagen umgibt. Um herauszufinden, ob ein Wagen nach Italien fährt, prüfen sie die Temperatur der Reifen, erklärt mir Jemmah. Wenn die Reifen heiß sind, bedeutet das, dass der Wagen gerade aus Athen angekommen ist und also am nächsten Tag verschifft wird. Sie verstecken sich zwischen der Ladung oder unter dem Wagen, wo sie sich ans Fahrgestell klammern. Bevor die Polizei kommt, denn sonst gibt es Ärger. Jemmah weiß das genau. Vor zwei Monaten haben sie ihn geschnappt, am Hafen. Es waren vier Polizisten. Mit einem Faustschlag und einem Tritt aufs Ohr haben sie ihn fixiert. Dann haben sie ihn mit geöffneten Händen auf dem Boden ausstrecken lassen, und einer der Polizisten hat ihm mit Stiefeln in den Rücken getreten. Dann wollten sie ein bisschen Spaß haben. Einer der uniformierten Männer hat ihm die Pistole an die Stirn gesetzt und „I will kill you!“ gerufen. Und hat den Abzug gedrückt. Der Schuss hat sich nicht gelöst, weil sie die Projektile herausgenommen hatten. Schließlich, nach den Schlägen und der Scheinhinrichtung, haben sie ihn gefragt, wie alt er sei. Vierzehn hat er geantwortet. Sie haben ihn gehen lassen. Seine Geschichte ist eine von vielen, von Misshandlungen und ungeahndeten Straftaten, von Rassismus. Wie ist es möglich, dass einem vierzehnjährigen Jungen von Sicherheitskräften eine Pistole an die Schläfe gehalten wird! Wie ist es möglich, dass ein vierzehnjähriger Junge von einem Lastwagen überfahren wird und stirbt, wie es im Januar in Forlì, Italien, passiert ist, weil er keine andere Möglichkeit hat, nach Italien zu gelangen.

Ingresso della baraccopoli di Patras„Unsere Generation wurde im Krieg geboren, ist im Krieg aufgewachsen und vor dem Krieg geflohen. Seit ich geboren bin habe ich nichts anderes gesehen, nur Zerstörung, Tod, Entführung. Wir haben unsere Lieben verloren. Wir haben unsere Rechte verloren. Und dennoch wird uns kein Schutz gewährt. Wie viele Kriege sind notwendig? Wie viele Tote sind notwendig, um als politischer Flüchtling anerkannt zu werden?“ Das fragt mit lauter Stimme einer der Afghanen, die am 25. Mai zu einem öffentlichen Treffen gekommen sind, das die antirassistische Bewegung in Patras organisiert hat. Zu diesem Anlass sind einige Aktivisten aus Thessaloniki gekommen und haben einen widerrechtlichen Wasseranschluss zum Barackenlager der Afghanen gelegt. Dort leben 500 Afghanen, ein Drittel von ihnen ist unter 18 Jahre. Das Lager besteht seit 1996. Anfangs waren dort nur Kurden. Einige der Baracken haben widerrechtliche Stromanschlüsse. Jede Nacht versuchen sie über die Grenze zu kommen. Die Polizei bewacht sie scharf. Es handelt sich hier weniger um Notunterkünfte als um ein neues Haftlager. Ein Ghetto, in dem Hunderte Flüchtlinge ganz ohne Kosten auf engem Raum bewacht werden. Denn auch wenn es keine Gitter gibt, kann man das Lager nicht verlassen. An jeder Ecke sind Polizeiautos. Man läuft Gefahr, auf die Wache gebracht zu werden und vielleicht drei Monate lang im Lager in Evros oder Athen festgehalten zu werden. Aus dem Lager kann man nur fliehen. Nachts. Indem man versucht, den Kontrollen und Schlägen der Polizisten, der privaten Wachleute der Schifffahrtsgesellschaften und der Lastwagenfahrer zu entgehen. Und hofft, nach der Ankunft in einem italienischen Hafen nicht wieder nach Griechenland geschickt zu werden. Denn dann beginnt alles wieder von vorn. „Wir sterben ständig und wir werden weiter sterben“, schließt der Afghane als wolle er das Publikum beschwören. „Aber wir sind Menschen wie ihr. Wir sind keine Tiere. Wir haben die gleichen Gefühle wie ihr.“

Un gommone sequestrato dalla Guardia costiera a Samos. A bordo camere d'aria e pannoliniWir empfehlen den italienischen und europäischen Politikern einen Besuch in Patras. Das italienische Parlament schickt sich an, das Verbrechen der illegalen Einwanderung einzuführen, und die Regierung teilt mit, dass 600 Millionen Euro benötigt werden, um in jeder Region ein Identifikations- und Abschiebezentrum (Centro di identificazione ed espulsione Cie) einzurichten, das die derzeit bestehenden Zentren für den zeitweiligen Aufenthalt (Centro di permanenza temporanea Cpt) ersetzen soll. Dafür sind bereits 10 aufgegebene Kasernen ausgewählt worden. Migranten ohne Aufenthaltserlaubnis können dort bis zu 18 Monaten festgehalten werden. Dadurch wird die bevorstehende schändliche Rückführungsrichtlinie der EU vorweggenommen. Es ist schlimm, was derzeit im Europa der Freizügigkeit geschieht. Aber schließlich gehören nicht alle Reisenden der gleichen Menschheitsklasse an. Daran sollte auch zu Beginn der Sommersaison erinnert werden. Auch dieses Jahr werden mehrere Millionen Touristen auf den Kanaren, den griechischen Inseln, auf Malta und in Sizilien landen, wo sie von lächelnden Hostessen und Kellnern empfangen werden. Auf den gleichen Strecken werden Zehntausende unerwünschte Reisende von Kriegsschiffen, unbemannten Flugzeugen und Spionagesatelliten überwacht und schließlich ihrer Freiheit beraubt werden. Auf den gleichen Strecken werden Hunderte Männer, Frauen und Kinder ihr Leben lassen. Daran denke ich jedes Mal, wenn ich ins Wasser gehe. Und ich glaube, das ist ganz und gar nicht normal.

Übersetzung aus dem Italienischen: Renate Albrecht